Eine Demenzerkrankung ist nicht nur eine medizinische Herausforderung. Sie ist ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben des Betroffenen und seiner Angehörigen. Die Diagnose trifft Familien oft unvorbereitet, bringt emotionale Belastungen mit sich und stellt den Alltag auf den Kopf. Gleichzeitig entstehen neue Risiken, die nicht nur gesundheitliche, sondern auch finanzielle Auswirkungen haben können. Genau hier spielen Versicherungen eine entscheidende Rolle – und zwar früher, als viele denken.
In diesem Beitrag erfährst Du, was Demenz bedeutet, welche Gefahren sie im Alltag mit sich bringt, warum immer mehr Menschen betroffen sind und welche Versicherungen in solchen Fällen besonders wichtig werden. Außerdem zeige ich Dir, was Du als Versicherungsnehmer unbedingt beachten solltest, damit im Ernstfall wirklich die Leistungen greifen, die Dir und Deinen Liebsten Sicherheit geben.
Was genau ist eine Demenzerkrankung?
Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. Sie sorgt dafür, dass kognitive Fähigkeiten nach und nach verloren gehen. Dazu zählen:
- Gedächtnis
- Orientierung
- Sprache
- Urteilsvermögen
- Emotionale Kontrolle
- Alltagskompetenzen
Die bekannteste Form ist Alzheimer, doch es gibt viele weitere Varianten, z. B.:
- Vaskuläre Demenz
- Lewy-Körper-Demenz
- Frontotemporale Demenz
- Gemischte Formen
Was viele nicht wissen: Demenz betrifft nicht nur den Verstand – sie verändert auch das Verhalten, die Persönlichkeit und das gesamte familiäre Zusammenleben.
Warum eine Demenzerkrankung so gefährlich ist
Demenzerkrankungen entwickeln sich schleichend. Anfangs sind es oft kleine Vergesslichkeiten – ein Name, ein Termin, eine alltägliche Aufgabe. Doch mit der Zeit werden diese Symptome gravierender und gefährlicher.
1. Gefahr im Haushalt
Ein Klassiker ist die angeschaltete Herdplatte, die vergessen wird.
Im schlimmsten Fall entstehen:
- verschmorte Töpfe
- Küchenbrände
- Wohnungsbrände
- Rauchvergiftungen
Für Versicherungen ist dieser Punkt extrem relevant, denn solche Schäden nehmen statistisch zu.
2. Hinlauftendenzen
Ein sehr typisches Verhalten ist das plötzliche Loslaufen, ohne Ziel oder Orientierung. Die betroffene Person verlässt die Wohnung, möchte „mal eben wohin“, vergisst den Grund und findet nicht zurück.
Das kann enden in:
- gefährlichen Situationen im Verkehr
- Unterkühlung
- Orientierungslosigkeit und Angst
- aufwendigen Suchaktionen
3. Unberechenbarkeit im Straßenverkehr
Menschen mit Demenz treffen häufig impulsive Entscheidungen. Sie laufen plötzlich über die Straße, bleiben stehen, drehen um oder gehen unvermittelt auf Fahrzeuge zu. Autofahrer müssen dann abrupt ausweichen oder bremsen – schwere Unfälle sind keine Seltenheit.
4. Verlust der Alltagskompetenzen
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung fällt es zunehmend schwer:
- Geld zu verwalten
- Elektrogeräte sicher zu bedienen
- Medikamente korrekt zu nehmen
- Termine einzuhalten
- Türen abzuschließen
- Gefahren zu erkennen
Je weiter die Erkrankung voranschreitet, desto höher wird das Risiko – und desto stärker greifen Versicherungen in den Alltag ein.
Demenz in der Gesellschaft: Warum die Zahlen so stark steigen
Der wichtigste Faktor ist die steigende Lebenserwartung. Menschen werden älter, und damit nimmt die Wahrscheinlichkeit für Demenz drastisch zu. Studien zeigen: Das Risiko einer Demenzerkrankung verdoppelt sich etwa alle fünf Jahre ab dem 65. Lebensjahr.
Weitere Gründe:
- bessere Diagnostik
- gestiegene Aufmerksamkeit
- Versorgungslücken im häuslichen Umfeld
- mehr Single-Haushalte
- zunehmende Erwerbstätigkeit der Angehörigen
Aktuell leben über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenz – Tendenz stark steigend. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf Pflege- und Versicherungsstrukturen.
Welche Versicherungen bei Demenz besonders wichtig werden
Demenzerkrankungen betreffen verschiedene Versicherungsbereiche – teilweise stärker, als viele vermuten.
1. Die Pflegeversicherung – unverzichtbar ab der Diagnose
Sobald Demenz festgestellt wird, wird früher oder später Pflegebedürftigkeit eintreten. Je nach Stadium steigt der Pflegegrad. Das bedeutet:
- Anspruch auf Pflegegeld
- Leistungen für ambulante Dienste
- Zuschüsse für Kurzzeit- oder Tagespflege
- finanzielle Unterstützung für Pflegeheime
- Entlastungsleistungen für Angehörige
Wichtig:
Demenz ist seit 2017 ein gleichwertiger Faktor bei der Feststellung der Pflegegrade, nicht erst körperliche Einschränkung.
2. Private Haftpflichtversicherung – Schutz vor hohen Schadensersatzforderungen
Eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt – und bei Demenz absolut unverzichtbar.
Warum?
Weil demenzerkrankte Menschen oft Schäden verursachen, ohne dass sie es merken:
- Ein Brand durch vergessenes Essen auf dem Herd
- Wasserschäden durch offene Hähne
- Beschädigungen in fremden Wohnungen
- Unfälle im Straßenverkehr als Fußgänger
Wichtig zu wissen:
Viele Versicherer bieten Sonderklauseln für deliktunfähige Personen an. Diese sind Gold wert, denn demenzerkrankte Menschen gelten rechtlich oft als deliktunfähig – und ohne diese Klausel würde niemand für den Schaden zahlen.
3. Hausratversicherung – Schutz vor erhöhten Risiken im eigenen Zuhause
Ein brennender Kochtopf, ein vergessener Wasserkocher, eine brennende Kerze – kleine Fehler, große Schäden.
Mit Demenz steigt das Risiko für:
- Wohnungsbrände
- Schmorbrände
- Leitungswasserschäden
- Zerstörung durch Fehlhandlungen
Hausratversicherer passen in solchen Fällen das Gefahrenpotenzial an und berücksichtigen das gestiegene Risiko bei der Beitragsberechnung.
Was Du als Versicherungsnehmer unbedingt beachten musst
Wenn in deiner Familie jemand an Demenz erkrankt oder eine entsprechende Diagnose erhält, dann gibt es aus Versicherungssicht klare Regeln.
1. Die Diagnose MUSS dem Versicherer gemeldet werden
Viele denken: „Das geht die Versicherung doch nichts an.“
Doch das Gegenteil ist der Fall.
Versicherungen müssen über die Gefahrenänderung informiert werden.
Denn eine demenzerkrankte Person ist ein deutlich höheres Risiko für bestimmte Schäden.
Wenn Du es nicht meldest, riskierst Du:
- Leistungsablehnung
- Vertragskündigung
- Regressforderungen
2. Bei Neuabschlüssen muss die Erkrankung angegeben werden
Wenn Du eine neue Versicherung abschließt – etwa Haftpflicht oder Hausrat – und eine demenzkranke Person im Haushalt lebt, musst Du das angeben.
Der Versicherer passt dann:
- Beitrag
- Bedingungen
- Risiko-Einstufung
an die Situation an.
3. Bestehende Verträge überprüfen
Es lohnt sich, gemeinsam mit einem Versicherungsmakler folgende Bereiche anzuschauen:
- Ist die deliktunfähige Person wirklich mitversichert?
- Sind Leistungsgrenzen ausreichend hoch?
- Ausstattung der Wohnung (Herdabschaltungen, Rauchmelder etc.)
- Besteht ein wirksamer Hausratschutz?
- Sind Haftpflichtklauseln aktuell?
- Gibt es Ausschlüsse, die riskant werden können?
Viele ältere Verträge sind nicht auf heutige Bedürfnisse ausgelegt – schon gar nicht bei chronischen Erkrankungen wie Demenz.
Warum Beratung bei Demenzerkrankungen so wichtig ist
Demenzerkrankte Menschen können viele Risiken gar nicht mehr einschätzen. Und Angehörige sind emotional ohnehin bereits belastet.
Eine professionelle Versicherungsauswahl schützt nicht nur Werte, sondern sorgt auch für:
- finanzielle Entlastung
- Klarheit im Ernstfall
- Sicherheit für Angehörige
- besseren Überblick über Pflegeleistungen
Als Versicherungsmakler helfe ich Dir dabei, alle Absicherungen so zu gestalten, dass keine finanziellen Lücken entstehen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema Demenz und Versicherungen
1. Muss ich eine Demenzerkrankung der Versicherung wirklich melden?
Ja. Jede erhebliche Gefahrenerhöhung muss unbedingt mitgeteilt werden – sonst droht Leistungsablehnung.
2. Ist eine demenzerkrankte Person deliktunfähig?
Oft ja. Deshalb ist eine Haftpflichtversicherung mit Deliktunfähigkeitsklausel extrem wichtig.
3. Übernimmt die Pflegeversicherung automatisch Leistungen?
Natürlich nicht automatisch – Du musst einen Pflegegrad beantragen.
4. Zahlt die Hausratversicherung bei Bränden, die durch Demenz verursacht wurden?
Ja, sofern die Gefahrenerhöhung gemeldet wurde und der Vertrag solche Schäden abdeckt.
5. Was passiert, wenn die Erkrankung nicht gemeldet wird?
Der Versicherer kann den Schaden ablehnen oder den Vertrag kündigen.
6. Was ist, wenn die Person nachts das Haus verlässt und etwas passiert?
Die Haftpflichtversicherung kann solche Schäden übernehmen – sofern die richtigen Klauseln vorhanden sind.
7. Braucht man für demenzerkrankte Menschen eine spezielle Versicherung?
Nein, aber bestehende Versicherungen müssen angepasst oder erweitert werden.
8. Kann eine Versicherung teurer werden, wenn eine Demenzerkrankung vorliegt?
Ja, weil das Risiko steigt.
9. Was passiert bei gefährlichen Situationen im Straßenverkehr?
Auch hier kann die Haftpflichtversicherung leisten, abhängig vom Vertrag.
10. Können Angehörige Unterstützung bei der Absicherung bekommen?
Ja – ein Makler hilft Dir dabei, passende Versicherungen auszuwählen und Leistungen zu
Solltest du Fragen haben, melde dich gerne. Wir schauen über die entsprechenden Versicherungen drüber.





