Was ist Sterbegeld? Steuerliche Behandlung, Erbschaftssteuer & wichtige Unterschiede (Stand 2025)

Über das Thema Tod spricht niemand gerne. Und doch gehört es zu einer verantwortungsvollen Finanzplanung dazu. Eine Sterbegeldversicherung soll Hinterbliebene finanziell entlasten und die Kosten einer Beisetzung absichern. Doch rund um das Thema Sterbegeld herrschen viele Missverständnisse – insbesondere bei der steuerlichen Behandlung.

Ist Sterbegeld steuerfrei?
Gehört es zur Erbmasse?
Müssen Eltern Steuern zahlen?
Sind Beiträge steuerlich absetzbar?

Hier bekommst du die rechtssichere Einordnung – inklusive eines wichtigen Urteils des Finanzgerichts Düsseldorf.


Was ist eine Sterbegeldversicherung?

Eine Sterbegeldversicherung ist eine spezielle Kapitalversicherung, die im Todesfall eine vereinbarte Geldsumme auszahlt. Diese Summe dient in erster Linie dazu, die Kosten für:

  • Bestattung
  • Grabstelle
  • Trauerfeier
  • Friedhofsgebühren
  • sonstige Nebenkosten

zu decken.

Anders als viele andere Versicherungen sichert sie kein mögliches Risiko ab – sondern ein Ereignis, das unvermeidlich ist.


Ist Sterbegeld steuerfrei?

Hier muss klar unterschieden werden.

1️⃣ Einkommensteuer

Die Auszahlung aus einer privaten Sterbegeldversicherung unterliegt grundsätzlich nicht der Einkommensteuer, da es sich um eine Versicherungsleistung handelt – nicht um laufende Einkünfte.

Für klassische private Sterbegeldversicherungen gilt also:

➡ Keine Einkommensteuerpflicht.


Aber Achtung: Es gibt Ausnahmen – Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf

Ein häufig falsch verstandener Punkt betrifft Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung.

Im konkreten Fall (Finanzgericht Düsseldorf, Urteil vom 06.12.2018, Az. 15 K 2439/18 E) ging es um Folgendes:

Nach dem Tod eines Sohnes erhielten die Eltern 8.000 Euro Sterbegeld von einer Pensionskasse. Der ursprüngliche Versicherungsvertrag war vom Arbeitgeber abgeschlossen worden und gehörte zur betrieblichen Altersversorgung.

Bezugsberechtigt waren laut Vertrag:

  • Ehepartner
  • eingetragene Lebenspartner
  • namentlich benannte Lebensgefährten
  • waisenrentenberechtigte Kinder

Da der Verstorbene weder Ehepartner noch Kinder hatte, wurde die Leistung an die Erben – also die Eltern – ausgezahlt.

Das Finanzamt wertete die 8.000 Euro als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 5 EStG und setzte Einkommensteuer fest.

Die Eltern klagten – jedoch ohne Erfolg.

Das Gericht stellte klar:

  • Maßgeblich ist der Zufluss der Leistung.
  • Die Zahlung ist beim Empfänger steuerpflichtig.
  • Es handelt sich nicht um Einkünfte des Verstorbenen.

Wichtig: Hier handelte es sich nicht um eine private Sterbegeldversicherung, sondern um eine Leistung aus der betrieblichen Altersversorgung.

👉 Das ist der entscheidende Unterschied.


Unterliegt Sterbegeld der Erbschaftsteuer?

Hier kommt es auf die Gestaltung an.

Wenn ein Bezugsberechtigter benannt ist:

Die Versicherungssumme gehört nicht zur Erbmasse.
Sie wird direkt an die benannte Person ausgezahlt.

Es kann jedoch Erbschaftsteuer anfallen, wenn:

  • die Freibeträge überschritten werden
  • der Begünstigte nur einen geringen Freibetrag hat

Beispiel Freibeträge:

  • Ehepartner: 500.000 €
  • Kinder: 400.000 €
  • Eltern (bei Erbe): 100.000 €
  • Nicht verwandte Personen: 20.000 €

In der Praxis bleibt eine typische Sterbegeldversicherung meist unterhalb der Freibeträge.


Sind Beiträge zur Sterbegeldversicherung steuerlich absetzbar?

Sterbegeldversicherungen zählen zu den sogenannten „sonstigen Vorsorgeaufwendungen“.

Theoretisch können sie im Rahmen der Höchstbeträge geltend gemacht werden. Praktisch sind diese Höchstbeträge jedoch in vielen Fällen bereits durch:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung

ausgeschöpft.

👉 In der Realität ergibt sich oft kein zusätzlicher steuerlicher Vorteil mehr.


Was passiert bei vorzeitiger Kündigung?

Wenn du den Vertrag kündigst und ein Rückkaufswert ausgezahlt wird, kann unter Umständen der Ertragsanteil steuerpflichtig sein.

Das hängt ab von:

  • Vertragsbeginn
  • Laufzeit
  • Auszahlungsart

Hier gelten individuelle steuerliche Regeln.


Wer gilt als Hinterbliebener?

Bei privaten Sterbegeldversicherungen kannst du frei bestimmen, wer bezugsberechtigt ist.

Bei betrieblicher Altersversorgung gelten dagegen häufig enge Vorgaben:

  • Ehepartner
  • eingetragene Lebenspartner
  • namentlich benannte Lebensgefährten
  • Kinder mit Waisenanspruch

Sind keine dieser Personen vorhanden, wird häufig ein begrenztes Sterbegeld an die Erben gezahlt – und genau hier kann Einkommensteuer entstehen.


Warum ist diese Unterscheidung so wichtig?

Viele Menschen glauben pauschal:

„Sterbegeld ist steuerfrei.“

Das stimmt – aber nur bei privaten Versicherungen.

Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung unterliegen anderen steuerlichen Regeln.

Eine falsche Annahme kann hier schnell zu bösen Überraschungen führen.


Fazit: Sterbegeld 2025 – klar unterscheiden!

  • Private Sterbegeldversicherung: in der Regel einkommensteuerfrei
  • Betriebliche Altersversorgung: kann einkommensteuerpflichtig sein
  • Erbschaftsteuer abhängig von Freibeträgen
  • Beiträge nur eingeschränkt steuerlich absetzbar
  • Kündigung kann steuerliche Folgen haben

Wer vorsorgt, sollte nicht nur die Versicherungssumme prüfen – sondern auch die steuerliche Gestaltung.


10 FAQ zum Thema Sterbegeld

1. Ist eine private Sterbegeldversicherung steuerfrei?

Ja, die Auszahlung unterliegt grundsätzlich nicht der Einkommensteuer.


2. Muss ich Erbschaftsteuer zahlen?

Nur wenn Freibeträge überschritten werden.


3. Gehört die Versicherungssumme zur Erbmasse?

Nein, wenn ein Bezugsberechtigter benannt ist.


4. Warum mussten Eltern im Düsseldorfer Fall Einkommensteuer zahlen?

Weil es sich um eine Leistung aus der betrieblichen Altersversorgung handelte.


5. Kann ich frei bestimmen, wer das Geld bekommt?

Bei privaten Versicherungen ja.


6. Sind Beiträge steuerlich absetzbar?

Nur eingeschränkt im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen.


7. Was passiert bei Kündigung?

Der Ertragsanteil kann steuerpflichtig sein.


8. Wie hoch sollte eine Sterbegeldversicherung sein?

Zwischen 6.000 € und 12.000 € – je nach Region.


9. Ist Sterbegeld Schonvermögen?

Bei richtiger Gestaltung kann es geschützt sein.


10. Ist eine Beratung sinnvoll?

Ja, besonders bei betrieblichen Verträgen oder komplexer Vermögensstruktur.