Aufgepasst bei Wohnriester!

Bild: Attianese Versicherungen

Wohnriester-Verträge werden in Deutschland immer beliebter, doch möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Versicherte sich mit diesem Modell der Altersvorsorge zwingend an seine Immobilie kettet. Es ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben, dass der Versicherungsnehmer spätestens zum Renteneintrittsalter von 67 bis zum 85. Lebensjahr in der Rieste geförderten Immobilie wohnen bleiben muss (Selbstnutzungsklausel). Aber ist dies in der Praxis realistisch?

Ein junges Paar, das durch Wohnriester ihr Haus finanziert, weiß doch nicht, was ihnen die Zukunft bringt!

Was ist zum Beispiel im Falle einer Scheidung? Der Partner, der das Eigentum verlässt und es nicht mehr selbst nutzt, muss innerhalb von einem Jahr die komplette Fördersumme in einem neuen Riestervertrag stecken – nur wer hat das Geld und die finanziellen Möglichkeiten hierfür? Schließlich sind in einer solchen Situation erst einmal Möbel und fundamentale Sachen wichtig, da der Partner verlassen wurde und ein zweiter Hausrat angeschafft werden muss. Alternativ schreibt der Gesetzgeber vor, dass innerhalb von vier Jahren eine neue, selbstgenutzte Immobilie nach der Aufgabe der ursprünglichen Immobilie angeschafft werden kann. Neben der Zahlung von Unterhaltsansprüchen und evtl. Alimenten dürfte auch das praxisfremd sein…

Anderes Beispiel:

Sie verändern sich beruflich und ziehen in ein anderes Bundesland. Wegen der Riesterförderung Ihres Objekts darf dies nur vorrübergehend vermietet werden. Mit 67 zum Renteneintritt müssen Sie spätestens wieder dorthin zurückgezogen sein, wenn Sie in der Zwischenzeit nicht schon ein anderes Eigentum selbst nutzen.

Ihre Immobilie darf auch nicht ohne weiteres Vererbt oder verschenkt werden, da Sie schließlich Ihre Rente in dieses Objekt investiert haben. Wohnrieser dient einzig und allein dem Zweck, so schnell wie möglich mittels staatlicher Rentenfördergelder eine eigene Immobilie abzuzahlen, damit der Versicherte im Rentenalter keine Mietlasten mehr aufwenden muss. Er wird allerdings dazu gezwungen, das Eigentum bis zum 85. Lebensjahr selbst zu nutzen. Und das ist der Hacken! Die versicherte Person darf das Objekt zwar verkaufen, wenn beispielsweise ein lebenslanges Wohnrecht in einem Seniorenheim stattdessen erworben wird, aber was ist, wenn die Person zu Ihrem Kind ziehen wollte, um privat betreut und versorgt zu werden? Pech gehabt, oder hohe Rückzahlungen in Kauf nehmen!

Sie wollen im Alter vielleicht auswandern und die Sonne in anderen Ländern genießen? Auch das ist wegen der Wohnriesterförderung der Vergangenheit nicht umsetzbar oder mit hohen Kosten verbunden.

In all den aufgeführten Fällen muss das steuerlich geförderte Kapital rückwirkend versteuert werden, weil der Staat seine Fördergelder zum Zweck der Eigentumsverwirklichung zur Verfügung gestellt hat und der Versicherte Vertragepflichten zu wahren hat.

 

Unser Fazit: Die Wohnriester-Verträge sind eher mit Vorsicht zu behandeln, da niemand sein Leben bis zum 85. Lebensjahres konkret planen kann und unerwartete Wendungen eintreffen können…

Autor: Sonja Noack

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